Gegenwartsliteratur

Roy Jacobsen – Der Sommer in dem Linda schwimmen lernte

Autor: Roy Jacobsen
ISBN: 978-3458358275
Verlag: Insel Verlag
Originaltitel: Vidunderbarn
Seitenanzahl: 293
Preis: 8,99 Euro

zitat“Linda fand das witzig, sie lachte sogar, mit einem Lachen, das klang wie ein erfüllter Wunsch, ich weiß nicht, ob es ihrer war oder meiner.”

inhaltFinn lebt alleine mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung. Sein Vater, ein Kranführer, ist vor einiger Zeit verstorben und die Witwenrente bekommt seine zweite Frau. Dadurch sieht es für Finn und seine Mutter nicht sehr rosig aus doch dann beschließen sie eines ihrer Zimmer zu vermieten um neben dem Job von Finns Mutter etwas mehr Geld zur Verfügung zu haben. Zwar ist der neue Untermieter Kristian ebenso intelligent wie rüpelhaft doch sie gewöhnen sich aneinander und das Zusammenleben klappt. Doch dann verändert sich alles als plötzlich Finns Halbschwester Linda bei ihnen einzieht. Linda die dauernd schläft, sehr viel isst und nicht spricht. Und Finn lernt dass man sich nicht aussuchen kann welche Menschen man liebt und welche nicht. Für Finn beginnt ein Sommer den er nie wieder vergessen wird.

meinungIch finde es bei diesem Buch unheimlich schwer es zu beurteilen. Man kann die Geschichte gut lesen wenn man sich mit dem skandinavischen Schreibstil anfreunden kann. Ich habe bisher nur wenige Bücher von skandinavischen Autoren gelesen aber bei jedem Buch fiel mir auf dass die Geschichte lange sehr träge wirkt. Als würde man ständig etwas Großes umkreisen, bereit zuzustoßen nur um es doch niemals zu tun sondern lieber wieder vor sich hinzudümpeln. Der Sommer in dem Linda schwimmen lernte ist zwar sehr gefühlvoll was die Beziehungen zwischen Linda und Finn und auch Linda und Finns Mutter angeht, wohingegen sich die Beziehung zwischen Finn und seiner Mutter eher immer schlechter entwickelt. Doch trotz der starken Gefühle die zwischen den Charakteren vorhanden sind bleibt es bei dem Eindruck des „vor sich hin dümpelns“.
Was die Charaktere angeht so konnte ich mich überhaupt nicht mit der Mutter anfreunden. Ihre ständigen Gefühlsausbrüche in denen Finn gerne mal zum verbalen Prellball für sie wird haben mich schnell ziemlich wütend gemacht, ebenso dass sie später als Linda bei ihnen lebte, für alles was mit Linda schiefging, erstmal ihn verantwortlich machte und sich auf die Suche nach einem Fehler von ihm machte. Sicher man erfährt im Buch ganz vage dass sie als Kind einige schlimme Dinge erleben musste aber ich bin trotzdem der Meinung dass das kein Freifahrtschein dafür ist sein Kind oder andere Menschen immer wieder vor den Kopf zu stoßen und alle Schuld und Sünde auf ihren Schultern abzuladen.
Das wiederum machte es mir auch schwer Finn wirklich als Kind wahrzunehmen da er viel zu oft einen ziemlich erwachsenen Eindruck macht. Natürlich hat er seine „kindlichen Ausbrüche“ und handelt gerne mal viel zu impulsiv doch alleine der Einblick in seine Gefühlswelt und die Gedanken die er sich macht waren oft alles andere als kindlich.
Zu Linda konnte ich gar kein Verhältnis aufbauen. Linda selber hat keine großen Auftritte. Sie redet nicht viel, ja sie lernt einige sim Verlauf der Geschichte aber trotzdem lernt man ihre Persönlichkeit nicht richtig kennen, nur kleine Bröckchen findet man immer wieder.
Am störendsten empfand ich es dass vieles einfach ungeklärt bleibt bis zum Schluss. Zwar wird einiges angedeutet aber vieles trotzdem nicht komplett aufgeklärt.

fazitInsgesamt ist es zwar ein gutes Buch mit einer netten Geschichte, die teilweise auch sehr berührend ist, aber es weißt auch viele Lücken auf. Mein Fall war es dadurch leider nicht.

Vielen Dank an den Insel Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

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2 Kommentare zu „Roy Jacobsen – Der Sommer in dem Linda schwimmen lernte

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