Jugendbuch

Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder [Rezension]

978-3-426-51057-5.jpg.30471893Autor: Ransom Riggs
ISBN: 978-3-426-51057-5
Verlag: Droemer Knaur
Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children
Seitenanzahl: 416
Preis: 9,99 Euro
Leseprobe

inhaltWenn Jacob seinen Großvater Abraham bittet ihm eine Geschichte zu erzählen dann bekommt er nicht wie andere Kinder etwas von Hänsel und Gretel oder einem ähnlichen Märchen etwas zu hören. Nein Abraham erzählt von einer Insel und einem Kinderheim welches von einem Vogel geleitet wird und in dem die besonderen Kinder leben. Von einem Jungen in dessen Brustkorb Bienen leben und einem Mädchen das mit ihren bloßen Händen Feuer erschaffen kann. Und er erzählt von den Monstern die hinter diesen Kindern her sind sie aber auf dieser Insel nicht finden können. Für Jacob sind diese Geschichten erfunden, Hirngespinste eines alten Mannes der langsam der Fluch der Zeit zum Opfer fällt und der viele schlimme Dinge in seiner Kindheit erleben musste und sie anhand dieser Geschichten verarbeitet. Als dann aber sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt entdeckt Jacob Hinweise darauf dass es diese Insel wirklich gibt und er macht sich auf den Weg um aufzuklären was hinter den Geschichten seines Großvaters steckt und wieso er sterben musste.

meinungWelches Kind lauscht nicht gerne den Erzählungen von Oma oder Opa? War es nicht immer spannend wenn sie von früher erzählten auch wenn die Erlebnisse selber gar nicht immer so fröhlich waren? Wie oft habe ich mit großen Augen vor meinem Opa gesessen und seinen Erzählungen gelauscht. Ich weiß es nicht aber ich weiß dass er mich immer in seinen Bann ziehen konnte wenn er anfing zu erzählen und ich habe es geliebt mit meiner Oma auf der Couch zu sitzen und alte Fotos zu betrachten.
Jacob hört auch Geschichten von seinem Großvater doch es ist völlig klar dass all diese Geschichten erfunden sein müssen. Schließlich kann es unmöglich wahr sein dass es einen Jungen gibt in dessen Körper Bienen wohnen oder ein Mädchen das so leicht ist dass sie davon fliegen würde wenn man sie nicht an einem Seil festbinden würde. Als dann Jacobs Großvater stirbt ist Jacob aufgrund der mysteriösen Umstände und einiger merkwürdiger Hinweise gezwungen seine Meinung über den Großvater und, mehr noch, sein gesamtes Weltbild zu überdenken.

„Immer wieder gab es dumpfe Explosionen, die ich in meiner Brust wie das Schlagen eines zweiten Herzens spürte, gefolgt von Wellen glühender Hitze, als würde jemand direkt vor mir einen Ofen öffnen und schließen.“ (Seite 199)
Schon von der ersten Seite an zieht das Buch einen in seinen Bann. Die traurig düstere Atmosphäre übt einen schwer erklärbaren Reiz aus der einen dazu bringt unbedingt mehr erfahren zu wollen und so begibt sich Jacob nicht alleine auf die Suche nach der Wahrheit sondern er nimmt den Leser und eine große Portion Neugier mit. Die Atmosphäre des Buches wird durch Bilder der besonderen Kinder, die wie echte Fotografien wirken, noch zusätzlich unterstrichen und verleiht allem einen Hauch von Wirklichkeit. Mindestens einmal stellt man sich als Leser, vielleicht auch nur unbewusst, die Frage ob es nicht vielleicht doch wahr sein könnte. Die Fotos fügen sich passend in Jacobs Geschichte ein dadurch bekommt der Leser fast den Eindruck Jacob beim Betrachten der Fotos über die Schulter zu schauen.
Jacob, der Protagonist in dieser Geschichte, scheint während seiner Erlebnisse erwachsener zu werden. Wirkt er anfangs noch ziemlich naiv, unwissend und begriffsstutzig so spürt man später deutlich wie er beginnt innerlich zu reifen und die Welt und Menschen um sich herum mit anderen Augen zu betrachten.
„Die Insel der besonderen Kinder“ ist keineswegs nur eine Geschichte über einen Jungen der wissen will was mit seinem Großvater geschah, nein, es geht um viel mehr. Es geht darum zuzuhören und andere ernst zu nehmen. Kennenlernen anstatt einfach zu verurteilen. Es geht ums Begreifen und Handeln. Um Vertrauen, Misstrauen und Liebe aber vorallem geht es um Freundschaft.
Emma ließ Millard die ganze Zeit Fragen beantworten, damit er nicht das Bewusstsein verlor.
„Millard! Wer ist Premierminister?“
„Winston Churchill“, antwortete er.“Hältst du mich für blöd, oder was?!“
„Was ist die Hauptstadt von Burma?“
„Keine Ahnung. Rangun?“
„Ausgezeichnet! Wann hast du Geburtstag?“
„Würdest du aufhören, so zu schreien, und mich in Ruhe bluten lassen?“ (Seite 372)
Der Schreibstil des Buches ist recht einfach gehalten und gut verständlich und dennoch schafft es der Leser mit schönen Formulierungen und gelungenen Umschreibungen dem Leser einige Gänsehautmomente zu verschaffen. Was neben dem angenehmen Schreibstil und der spannenden Geschichte ansich leider zu kurz kommt ist die Charakterisierung der besonderen Kinder. Man erfährt welches ihre besondere Eigenschaft ist und darauf werden sie dann auch reduziert. Man erfährt kaum etwas über ihr Wesen, ihre Vorlieben und Abneigungen. Die ganze Persönlichkeit scheint ledilich auf ihre eine besondere Fähigkeit zusammenzuschrumpfen wodurch die Kinder leide etwas flach, ja sogar fast leblos wirken. Das können auch die Fotos leider nicht ausgleichen.
fazit„Die Insel der besonderen Kinder“ bietet ein besonderes Leseerlebnis egal ob man das Genre Fantasy liebt oder nicht. Die eingebundenen Fotos verleihen dem Buch zusätzlich zu seiner düsteren Atmosphäre einen realistischen Touch wodurch alles viel greifbarer wirkt. Auf vollständig ausgearbeitete Charaktere mit tiefgehender Persönlichkeit hofft man hier jedoch vergebens was aber das Lesevergnügen nicht in erheblichem Maße mildert.
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2 Kommentare zu „Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder [Rezension]

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