Biografie

Michael Schofield – Ich will doch bloß sterben, Papa [Rezension]

ichwilldochbloßsterbenreziinhaltJanni ist 4 Jahre alt, hat einen IQ von 146 und leidet vermutlich unter Schizophrenie. Ihre Eltern Michael und Susan fühlen sich von den Ärzten unverstanden und im Stich gelassen da ihnen immer wieder mitgeteilt wird, bei einem so kleinen Kind wäre diese Erkrankung völlig ausgeschlossen. Doch nur zwei Jahre später bestätigt sich die befürchtete Diagnose. Janni lebt in ihrer eigenen Welt bestehend aus Halluzinationen und Gewaltgedanken. Immer wieder geht sie auf ihren kleinen Bruder oder ihre Eltern los. Michael und Susann setzen alles daran das Leben ihrer beiden Kinder zu schützen und dafür zu sorgen, dass die Familie nicht auseinander bricht.

meinung

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch ganz zufällig allerdings habe ich vorher schon mehrmals von der Familie Schofield gehört, gibt es doch diverse Fernsehberichte über sie. Oprah Winfrey, Dr. Phil und noch weitere Fernsehformate aus den USA hatten die Familie bereits zu Besuch. Als ich auf das Buch stieß wollte ich gerne mehr erfahren. Mich interessierte die Geschichte von Janni und wie alles begann. Nun nachdem ich das Buch gelesen habe bleibe ich ziemlich zwiegespalten zurück. Michael und Susann sind äußerst engagiert das steht völlig außer Frage und ich kann mir nicht sicher sein wie ich an ihrer Stelle gehandelt oder gedacht hätte doch gerade der Vater hinterlässt bei mir keinen guten Eindruck. Er sieht sich als das Maß der Dinge was Janni betrifft. Stets stellt er seine Frau als unfähig im Umgang mit Janni dar und er wird nicht müde zu betonen, dass Janni ein Genie ist. Tatsächlich scheint ihm diese Tatsache am meisten an Herzen zu liegen. Wann immer es Probleme mit Janni gibt ist seine Begründung die “Kluft zwischen ihrem Verstand und ihrem Körper”. Janni ist noch nicht mal aus den Windeln raus da plant ihr Vater bereits welchen großen Dienst Janni der Menschheit eines Tages erweisen wird. Selbst als dann die Diagnose Schizophrenie gestellt wird ist seine größte Befürchtung, dass all diese Pläne nun dahin sind.

“Aber es gibt noch einen anderen Grund, weshalb ich möchte, dass Susan Bodhi wegbringt. Jani gehört mir. Ich allein fühle mich für sie verantwortlich. Ich allein bin in der Lage, ihr tief in ihre Welt zu folgen, so tief, wie sie selbst hinabsteigt. Jani steigt noch immer tiefer und ich bin noch immer an ihrer Seite.” (Seite 282)

Schon früh zeigen sich bei Janni Auffälligkeiten. Sie spielt nicht mit anderen Kindern, erwähnt sogar immer wieder sie würde sie hassen. Bis auf die Momente in denen sie ausrastet und versucht auf ihren Bruder Bodhi loszugehen wird sie oft als völlig emotionslos beschrieben.
Natürlich befindet sich die Familie in einem Ausnahmezustand und sicher gibt es kein Patentrezept dafür wie man verfahren sollte, wenn ein Kind unter einer schweren psychischen Erkrankung leidert. Doch mehr als einmal habe ich mich beim Lesen gefragt was genau in den Köpfen der Eltern vorgehen mag. Jeder Arzt wird insgeheim von ihnen als unfähig angesehen, Medikamente bereits nach wenigen Tagen als wirkungslos abgetan und für den Vater ist sowieso unbegreiflich wieso sich nicht einfach jeder auf die Fantasiewelt seiner Tochter einlässt. Mehrmals kam bei mir die Frage auf wo eigentlich die Erziehung bei Janni bleibt denn sowohl ihre, oft verletzenden Äußerungen über andere Kinder als auch ihre Ausraster oder sonstigen Taten bleiben meist ohne Konsequenzen für sie. Erst als ein Arzt den Eltern knall hart eben diese Tatsache an den Kopf wirft, scheint sich etwas in dieser Richtung zu bewegen.
Auch hätte ich mir gewünscht, dass etwas mehr auf die Erkrankung Schizophrenie an sich eingegangen wird. Was ist Schizophrenie? Wie entsteht diese Erkrankung? Was sind die Folgen? Wie ist die Prognose? Fragen die jedoch im Buch unbeantwortet bleiben. Sicher ist das Buch trotz allem interessant alleine schon um zu erfahren wie sieht der Alltag der Familie aus und wie läuft das Zusammenleben mit Janni. Trotzdem habe ich hier sehr viel vermisst an Informationen, an Einsicht und Objektivität.

Fazit“Ich will doch bloß sterben, Papa” ist ansich ein interessantes Buch was die Tatsache angeht, dass es sich hier um ein Kind handelt welches vermutlich schon im Kleinkindalter unter den Symptomen einer Schizophrenie litt. Ich konnte mich jedoch mit der Denkweise und oft auch dem Handeln des Vaters einfach nicht anfreunden. Trotzdem bekommt dieses Buch von mir 3 sehr gut gemeinte Schreibfedern.

3

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Ein Kommentar zu „Michael Schofield – Ich will doch bloß sterben, Papa [Rezension]

  1. Meine Rezi zielt im Endeffekt auf das Gleiche ab wie deine: Ich fand den Vater auch sehr seltsam. Seine Aussagen haben mir teilweise die Schuhe ausgezogen. Er ist so krankhaft auf seine Tochter fixiert, dass ich es nicht ausschließen möchte, dass die Schizophrenie beider Kinder (Der Sohn ist ja mittlerweile größer und genauso wie Jani…) auch teilweise „hausgemacht“ ist. Meiner Meinung nach sind die Eltern im Oberstübchen auch nicht so ganz taufrisch…

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