Romane · Unterhaltungsliteratur

Jon Bauer – Steine im Bauch [Rezension]

steineimbauchreziinhaltDer 28-jährige ich-Erzähler kehrt nach langer Zeit zurück in das Haus seiner Kindheit um sich um seine schwer kranke Mutter zu kümmern. Als Kind litt er massiv unter dem Umstand, dass die Pflegekinder, welche seine Mutter oft aufnahm, stets bevorzugt behandekt worden. Seine eigenen stummen und hilflosen Schreie nach Liebe und Zuneigung wurden ignoriert oder missverstanden. Der Pflegejunge Robert ist es schließlich, der das Faß zum Überlaufen bringt und es geschieht das tragische Ereignis, welches auch in der Gegenwart noch immer Folgen hat.

meinung“Es kommt nicht darauf an, wohin man geht oder was man mit seinen Gefühlen macht, die Wahrheit lauert einem doch immer wieder auf. Meine Kindheit lauert in mir, wie geballte Fäuste in meinen Händen lauern.” (Seite 7)

Der namenlose Protagonist kehrt nach Hause zurück um seine Mutter, die an einem schweren Hirntumor erkrankt ist zu pflegen. Im Haus seiner Kindheit kehren immer mehr die Erinnerungen an seine Vergangenheit zurück und mit ihnen auch all die Gefühle. Noch immer leidet der Protagonist darunter, dass er sich stets zurückgesetzt fühlte neben den Pflegejungen um die sich seine Mutter kümmerte. Seine mittlerweile pflegebedürftige Mutter ist kaum noch ein Schatten ihrer selbst. Sie kann kaum noch sprechen und laufen und kann ihrem erwachsenen Sohn dadurch nur noch wenig entgegensetzen.
Schnell wird klar unter welchem Druck der Protagonist als Kind gestanden haben muss. Wo die Mutter Verständnis und Wärme ihren Pflegekindern entgegenbringt kommt ihr eigener Sohn viel zu kurz was nicht ohne offensichtliche Folgen bleibt.

“Und wenn wir uns dem Selbstmord überlassen, dem Alkohol, der Gewalt oder der Verbitterung, dann deshalb, weil wir in einen der Abgründe zwischen diesen Okay-Momenten gestürzt sind. Und da hinein ist offenbar auch mein achtjähriges Ich gefallen.” (Seite 261)

Jon Bauer schafft es mit seinem Debütroman nicht nur dem Leser die Gedanken und Gefühle eines Kindes zu vermitteln sondern gibt darüber hinaus Einblick in das Innenleben des Erwachsenen, der aus diesem Kind geworden ist. Dabei begeistert er mit einer ebenso bildhaften wie auch fesselnden Sprache mit der er abwechselnd aus der Perspektive des Kindes und aus heutiger Sicht des Erwachsenen berichtet.
“Steine im Bauch” ist kein Buch in dem man sich einen Schuldigen herauspicken kann denn jeder in dieser Geschichte trägt seinen ganz eigenen Anteil an Schuld und muss mit dieser ebenso leben wie mit der Hilflosigkeit und Scham. Es geht um Missverständnisse, um Verluste, Ängste und welche Folgen es haben kann wenn man nicht in der Lage ist Frieden mit seiner eigenen Geschichte zu schließen.
Unweigerlich wird man als Leser in diesen Roman hingezogen um zu erleben wie hilflos sich ein Kind fühlen kann und wie zerrissen dieses Kind als Erwachsener sein kann im ständigen Zwist mit sich selbst, seinen Gefühlen und Wünschen.

FazitMit “Steine im Bauch” ist Jon Bauer ein durch und durch fesselnder Debütroman gelungen, welcher den Leser sofort packt und in die Gefühlswelt eines Kindes und später Erwachsenen katapultiert. Ein Roman der ebenso offen und ehrlich wie auch schockierend und rührend ist. Ein Buch das noch lange nachwirkt.

must-read

 

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