Jugendbuch

Carmen Rodrigues – Du bist das Gegenteil von allem [Rezension]

dubistdasgegenteilvonallemreziinhaltDie 16-jährige Ellie hat fast alles was sich ein Mädchen in ihrem Alter wünschen kann. Und trotzdem ist sie jetzt tot. Gestorben an einer Überdosis Tabletten. Zurück lässt sie ihren älteren Bruder Jake, ihre beste Freundin Sarah, deren jüngere Schwester Jess und 34 Zettel die sie geschrieben und in einem Schuhkarton versteckt hat. 34 Hinweise darauf wie Ellie sich wirklich gefühlt hat. 34 Geheimnisse die von einem Leben voller Schmerz und Leid erzählen.

meinungGleich zu Beginn des Buches wird man mitten in die Geschichte geworfen und mit Ellies tragischem Tod konfrontiert. Erst nach diesem Ereignis lernt man nach und nach die engsten Personen aus Ellies Umfeld kennen. Die Menschen mit denen sie täglich zu tun hatte und die ihr am nächsten standen. Ihr Bruder Jake, der sich mit furchtbaren Selbstvorwürfen quält. Ihre beste Freundin Sarah, die seit Ellies Tod einfach nicht mehr richtig zurück ins Leben finden kann. Und Jess, Sarahs Schwester, die still und heimlich für sich trauert und leidet. Das Buch erzählt abwechselnd immer wieder aus der Sicht dieser Personen wodurch man als Leser alle möglichen Arten und Phasen der Trauer miterlebt.

„Dabei habe ich vor Ellies Tod nicht ständig über irgendwas nachgegrübelt, sondern eine Menge andere Dinge gemacht. Ich war viel draußen, bin ins Kino gegangen oder mit meiner besten Freundin Lola herumgezogen und hab irgendwelchen Blödsinn angestellt. Bevor Ellie gestorben ist, habe ich oft so getan, als wäre ich jemand anderes – jemand, der nicht so … grüblerisch veranlagt ist. Aber jetzt hat es keinen Sinn mehr, anderen und mir selbst etwas vorzumachen.“ (Seite 25)

Natürlich geht es in diesem Buch vor allem um Ellie. Um ihre Gefühlswelt und ihr Leben. Und die ganze Zeit über schwebt die große Frage bedrohlich im Raum ob Ellie ihren Tod gewollt hat. Doch es geht um so viel mehr in diesem Buch. Sowohl Jake als auch Sarah und Jess machen die unterschiedlichsten Entwicklungen durch und das schon vor Ellies Tod. Sehr eindrucksvoll kann man hier erleben wie gerade Jugendliche sich untereinander beeinflussen egal ob bewusst oder unbewusst. Zudem wird mehr als einmal deutlich, dass nichts immer so sein muss wie es scheint. Wie viel zeigt man den Menschen um sich herum tatsächlich von dem, was man wirklich ist? Was gibt man Preis und was verschweigt oder versteckt man?
Ca. 600 Jugendliche nehmen sich alleine in Deutschland jedes Jahr das Leben. Ein Suizid betrifft aber auch immer die Menschen um den Verstorbenen herum. Fragen die niemals beantwortet werden, Schuldgefühle die einem keiner vollständig nehmen kann und ein Gefühl ohnmächtiger Hilflosigkeit sind nur wenige Beispiel. Carmen Rodrigues schafft es in ihrem Buch einfühlsam aber auch direkt mit diesem Thema umzugehen und dem Leser ein klares Bild davon zu vermitteln was jemanden dazu bewegen kann keinen anderen Ausweg mehr zu sehen während sie zusätzlich beleuchtet wie hilflos und verloren die Angehörigen zurückbleiben.
Stellenweise fand ich die Geschichte ein wenig holprig und ich konnte mich nicht mit allen Personen des Buches anfreunden. Gerade Ellie empfand ich als sehr wechselhaft und anstrengend, alleine beim Lesen. Besonders schade ist, dass die Zettel von Ellie, welche ja bereits im Klappentext als sehr wichtig erwähnt werden, tatsächlich keine große Rolle im Buch spielen, sondern stark in den Hintergrund geraten. Nichtsdestotrotz behandelt das Buch ein ernstzunehmendes und stets aktuelles Thema mit welchem sich jeder einmal auseinandersetzen sollte.

Fazit„Du bist das Gegenteil von allem“ behandelt ein wichtiges Thema das jeden etwas angehen sollte. Carmen Rodrigues vermittelt ebenso direkt wie einfühlsam woraus Ellies Leben vor ihrem Tod, und das Leben ihrer Mitmenschen nach ihrem Tod besteht. Obwohl das Buch ganz klar auch ein paar Schwachpunkte besitzt ist es durchaus zu empfehlen.

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2 Kommentare zu „Carmen Rodrigues – Du bist das Gegenteil von allem [Rezension]

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