Jugendbuch

[Rezension] Elisabeth Steinkellner – Rabensommer

rezirabensommerinhaltSeit Jahren sind sie die besten Freunde, alles machen sie gemeinsam. Nun, nach dem Abitur, muss jeder seinen ganz eigenen Weg ins Leben finden. Juli will studieren und freut sich auf ihre erste eigene Wohnung doch noch bevor sie richtig in ihre eigene Unabhängigkeit starten kann verändert sich plötzlich alles. Ihr Freund Niels macht nach knapp einem Jahr Beziehung plötzlich Schluss, ihre beste Freundin Ronja geht nach London und August lüftet sein bis dahin wohl gehütetes Geheimnis. Juli steht plötzlich alleine da und fühlt sich ohne das vertraute Gefühl der Zusammengehörigkeit ihrer Vierer-Clique einsam und überrumpelt vom Leben.

meinungJeder junge Erwachsene kennt wahrscheinlich Julis Situation. Die Schule ist beendet und es geht darum, zu entscheiden wie das Leben weitergehen soll. Man selber und auch die Menschen um einen herum verändern sich und man muss beginnen seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Nicht mit jedem seiner Freunde kann man diesen Weg weiterhin gemeinsam bestreiten. Genau diese Tatsache muss auch Juli feststellen als ihr Freund plötzlich die Beziehung beendet und auch die gemeinsame Zeit mit ihren besten Freunden Ronja und August nicht mehr so intensiv und häufig ist wie zuvor. Nicht nur für Juli sondern auch für mich als Leserin werden die Veränderungen deutlich spürbar.

„Die Sonne fällt direkt auf mein Gesicht, ich schließe die Lieder, sehe trotzdem noch Leuchtpunkte tanzen. Ob es wohl immer so bleiben wird zwischen Ronja und mir? Lässt sich das Band, das uns bis jetzt so eng verbunden hat, auch über die Monate und Kilometer hinweg dehnen? Oder wird es eines Tages ausgeleiert sein oder gar reißen?“ (Seite 64)

Dennoch fiel mir der Einstieg in die Geschichte ein wenig schwer, was vor allem an dem recht eigenwilligen Schreibstil liegt. Selbst bei einem längeren Monolog werden lediglich die ersten paar Sätze als tatsächlich ausgesprochen gekennzeichnet was ich anfangs verwirrend und später sogar als leicht störend empfunden habe.
Im völligen Gegensatz hierzu steht allerdings die eindrucksvolle Art der Autorin den Leser an Julis Gefühlswelt teilhaben zu lassen. Bildhaft und auf äußerst poetische Art und Weise erhält man einen ebenso interessanten, wie auch fesselnden Einblick in Julis Seelenleben wodurch die Geschichte seine ganz eigene Magie und Dynamik entwickeln kann.
Juli ist in „Rabensommer“ ganz klar die Protagonistin jedoch ohne die Personen um sie herum blass oder farblos wirken zu lassen. Man hat gleichermaßen am Leben von Ronja und August teil wodurch man einen angenehmen Rundumblick über die Ereignisse erhält. Lediglich Niels scheint dabei zunächst außen vorzustehen und mit der Trennung von Juli komplett aus dem Geschehen zu verschwinden. In Julis Gedanken ist er dafür umso präsenter und nimmt dadurch auf eine etwas andere Art weiterhin einen großen Raum in der Geschichte ein.Obwohl die Trennung für Juli ein sehr großes und wichtiges Ereignis in ihrem Leben darstellt ist das eigentliche Thema doch ein sehr viel Größeres. Ein neues Lebenskapitel wird aufgeschlagen. Die Zukunft liegt in seiner gesamten Bandbreite vor einem und ist gleichermaßen faszinierend wie auch einschüchternd. Juli muss lernen sich mit völlig neuen Problemen und einem unbekannten Alltag herumzuschlagen. Alte Brücken müssen abgerissen werden um daraus neue erbauen zu können und nicht immer fällt es Juli leicht sich in ihrer neuen Unabhängigkeit zurechtzufinden.

„Die Zukunft erscheint mir unendlich groß, strahlend blau und sonnengefleckt. In manchen Momenten möchte man das Leben umarmen, mit ihm Polka tanzen oder Cha-Cha-Cha, aber das Leben ist zu groß, um es mit den Armen umschlingen zu können, also bleibt man sitzen, still auf dem Fensterbrett, und atmet und spürt und ist einfach da.“ (Seite 77)

Man begleitet Juli in die unterschiedlichsten und doch alltäglichsten Situationen. Man leidet und erlebt mit ihr ebenso wie man manchmal über ihre Naivität und Unentschlossenheit den Kopf schüttelt. Am Ende muss man feststellen, dass sich das Leben einfach nicht planen lässt, weil es immer anders kommt als man denkt. Man kann Wege einschlagen aber nicht vorhersehen wie viele Steine auf ihnen liegen und wie oft man über jene stolpern wird. In Julis Geschichte kann sich vermutlich jeder irgendwie zum Teil wiederfinden, dadurch ist zumindest mir persönlich sowohl die Geschichte als auch ihre Protagonistin unerwartet ans Herz gewachsen.

Fazit„Rabensommer“ besticht vor allem durch das Alltägliche und jedem bekannte Gefühl sich auf Entscheidungen und neue Lebensabschnitte ebenso zu freuen wie sie auch zu fürchten. Die glaubhaften Charaktere der Geschichte, vermischt mit den bildhaften Schilderungen von Julis Gedanken und Gefühlen verschaffen einem ein eindrucksvolles Leseerlebnis. Lediglich der Schreibstil, der manchmal etwas abgehackt oder unvollständig wirkt, stört das Gesamtbild ein wenig, jedoch nicht nachhaltig.

4

Unbenannt-1

Vielen Dank für das Bereitstellen des Buches an

0b0593e75fe94c9c86202430764833fa.logo

und

logo4-1

Zur Bestellseite

Advertisements

Ein Kommentar zu „[Rezension] Elisabeth Steinkellner – Rabensommer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s